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Common Knowledge Scout

Befrage nicht die KI - Befrage kollektives Wissen

Commons entstehen dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen und Wissen, Ressourcen und Sorge gemeinsam tragen. Commoning ist keine Theorie, sondern tägliche Praxis: zuhören, aushandeln, teilen, lernen, Konflikte klären. Genau an diesem Punkt setzt meine aktuelle Arbeit an.Ich forsche und experimentiere zur Frage, wie digitale Werkzeuge – insbesondere KI – Commoning unterstützen können, ohne es zu vereinnahmen oder zu verzerren. Nicht als Ersatz für menschliche Beziehungen, sondern als Instrument, das Verbundenheit sichtbarer und handlungsfähig macht.Als Versuchsanordnung, nicht als fertige Antwort.

Peter Aichner
1.10.2026
Tiempo de lectura:  
3
min
Estado del Proyecto:
Gestartet

KI als unterstützendes Werkzeug für menschliche Verbundenheit

In meiner Arbeit interessiert mich KI nicht als autonome Instanz, sondern als technologische Fähigkeit, die Menschen bewusst einsetzen können – oder auch nicht. Technologie handelt nicht selbst; sie entfaltet Wirkung dort, wo Menschen ihr Richtung geben und sie mit ihren Absichten, Werten und Bedürfnissen verknüpfen.

Was wir aus der heutigen KI-Technologie nutzen, ist eine sehr spezifische Fähigkeit: Texte lesen zu können, ihre Bedeutung zu erkennen und sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in andere Formen zu überführen – zusammenzufassen, zu übersetzen, zu strukturieren oder aus einem anderen Kontext heraus neu lesbar zu machen. Nicht, weil Maschinen verstehen, sondern weil Sprache und Bedeutung mathematisch beschreibbar und damit nutzbar geworden sind.

Diese Fähigkeit kann missbraucht werden – zur Durchsetzung von Macht, zur Verzerrung von Wahrnehmung oder zur Verstärkung bestehender Ungleichgewichte. Sie kann aber auch bewusst anders eingesetzt werden: um Verständigung zu erleichtern, Perspektiven sichtbar zu machen und kollektives Wissen zugänglich zu halten.

Die Quelle dieses Wissens bleibt dabei immer menschlich: Menschen mit ihren Erfahrungen, Ideen, Kämpfen, ihrer Sprache und ihren Bedürfnissen – und mit der Fähigkeit, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen, nicht nur anderer Menschen, sondern auch anderer Lebewesen und zukünftiger Generationen.

In diesem Sinn wird KI hier als unterstützendes Werkzeug verstanden: nicht um Wissen zu erzeugen, sondern um es lesbar zu machen; nicht um Entscheidungen zu treffen, sondern um Aushandlung zu ermöglichen; nicht um Verbundenheit zu ersetzen, sondern um menschliche Verbundenheit und Beziehungsfähigkeit im Alltag zu unterstützen.

Aus dieser Haltung heraus stellt sich die Frage, wie ein solches Werkzeug gestaltet sein muss, damit es diese Form von Verbundenheit praktisch unterstützen kann.

KnowledgeScout als verteiltes Wissenssystem

Aus dieser Überlegung heraus entsteht KnowledgeScout. Ein verteiltes Wissenssystem, das lokal, offline, open source und selbstbestimmt betrieben werden kann. Jede Person kann eigenes Wissen einbringen, Materialien sammeln, Texte, Gespräche, Vorträge oder Bücher erschließen – und dieses Wissen mit anderen teilen, ohne es aus der eigenen Kontrolle zu geben.

Ein erstes Experiment ist die Library zu "Commons und Commoning", in der Texte, Vorträge und theoretische Ansätze zusammengeführt werden: von grundlegenden Begriffen über Muster des Commoning, Kritik am Kapitalismus, technologische Infrastrukturen bis hin zu Kunst, Kultur und Transformationstheorien.

Wichtig dabei: Wissen bleibt kontextualisiert. Es gibt keine eine Wahrheit, sondern viele Perspektiven. Inhalte können aus unterschiedlichen sozialen, sprachlichen oder praktischen Blickwinkeln gelesen und erzählt werden – je nachdem, aus welcher Haltung heraus man ihnen begegnet.

👉 Ein erster Prototyp ist hier zugänglich:
https://knowledgescout.bcommonslab.org/

Eine wachsende Wissenslandschaft

Was hier entsteht, ist nicht nur eine Sammlung von Texten, sondern eine wachsende Wissenslandschaft.

Eine Library, die sich aus zwei Quellen speist: aus wissenschaftlichen Arbeiten und theoretischen Entwürfen – und aus gelebter, empirischer Erfahrung.

Beides ist gleichwertig.
Beides braucht Übersetzung.
Beides gewinnt an Tiefe, wenn es gemeinsam weitergebaut wird.

Wer sich hier einbringt, ist nicht Leser:in, nicht Nutzer:in, sondern Mit-Autor:in dieses Wissensraums – mit Fachwissen, Forschung, Praxis, Fragen, Zweifeln und erprobten Wegen.

Vom individuellen Bedürfnis zur kollektiven Praxis

Mich interessiert besonders die Frage, wie individuelle Bedürfnisse sichtbar werden, ohne im Individualismus stecken zu bleiben. Commoning beginnt oft mit sehr einfachen Fragen:

Wie kann ich mein Kind gut versorgen?
Wie organisieren wir gemeinsam unser Essen?
Wie komme ich von A nach B, ohne allein zu bleiben?
Wie kann ich meine Interessen teilen, statt sie zu isolieren?

Der entscheidende Schritt ist nicht die perfekte Lösung, sondern der Mut, Bedürfnisse auszusprechen – zuerst für sich selbst, dann im Vertrauen darauf, dass andere Ähnliches empfinden. Wenn wir es schaffen, Egoismus und Altruismus nicht als Gegensätze zu denken, sondern als gleichzeitig wirksam, entsteht etwas Neues: gemeinsames Handeln, das niemanden aufopfert.

Ein mögliches „Betriebssystem des Commoning“

In dieser Perspektive lässt sich KnowledgeScout als Baustein eines zukünftigen Betriebssystems des Commoning verstehen – nicht als System, das Menschen steuert, sondern als Lern- und Begleitinstrument.

Getragen von Menschen, nicht von Märkten; orientiert an Bedürfnissen, nicht an Verwertung; offen für Widersprüche, Konflikte und Aushandlung.

Mit soziokratischen, commonsbasierten Methoden könnten digitale Werkzeuge helfen,

- Gleichgesinnte zu finden, ohne soziale Hemmschwellen

- Unterschiede erklärbar zu machen, statt sie zu verhärten

- Handlungsmöglichkeiten sichtbar zu machen, statt nur Meinungen zu sammeln

- Orte, Projekte und Gelegenheiten zu zeigen, an denen Commoning konkret gelebt werden kann

Mathematik und KI können dabei helfen, Muster zu erkennen und Verbindungen vorzuschlagen – nicht um Menschen zu steuern, sondern um Begegnungen wahrscheinlicher zu machen.
Als Einladung zum Tun, nicht als Anleitung.

Das Co-Creator-Modul

Um diesen gemeinsamen Aufbau zu ermöglichen, entwickeln wir derzeit ein Co-Creator-Modul.

Nicht als Werkzeug, um Inhalte zu produzieren, sondern als gemeinsames Instrument, um Wissen einzubringen, zu strukturieren, zu befragen und aus unterschiedlichen Standpunkten weiterzuentwickeln.

Auch dieses Modul versteht sich als Commons – nicht entworfen von einer einzelnen Person, sondern wachsend aus dem Kollektiv heraus, inhaltlich wie methodisch.

Wie kollektive Entscheidungen dabei konkret gelebt werden und wie der Einstieg ins gemeinsame Weiterbauen aussieht, ist bewusst noch offen und soll sich aus dem gemeinsamen Erproben, Lesen und Weiterdenken heraus entwickeln.

Einladung

KnowledgeScout ist kein fertiges Produkt, sondern ein offener Prozess. Ein Experimentierraum für Commons-basierte Wissensarbeit, für kollektives Lernen und für neue Formen digitaler Verbundenheit.

Der erste Schritt ist bewusst einfach gehalten:
Probier den KnowledgeScout aus: https://knowledgescout.bcommonslab.org/


- Wähle deine Library.
- Wähle deine Perspektive.
- Lass dir die Inhalte im Story-Modus erzählen.

Nicht um sie zu bewerten oder abzuschließen, sondern um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Wissen aus unterschiedlichen Blickwinkeln gelesen werden kann.

Mit dieser Erfahrung im Hintergrund stellt sich die eigentliche Frage:
Wie könnten wir diese Wissenslandschaft gemeinsam weiterbauen – inhaltlich, mit wissenschaftlichen Werken und empirischen Erfahrungen, und methodisch, mit Formen kollektiver Autor:innenschaft?

Denn erst im gemeinsamen Tun wird das Instrument wirklich stimmig.
Alles Weitere entsteht Schritt für Schritt – gemeinsam.

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